Tumormarker
AFP (Alpha-Fetoprotein)
Klassischer Tumormarker für Leberzellkarzinom und Keimzelltumoren. Wird auch in der Schwangerschaft physiologisch produziert. Erhöhte Werte ausserhalb der Schwangerschaft: Verdacht auf hepatozelluläres Karzinom (HCC) oder Hoden-/Eierstock-Keimzelltumor.
Praxis: Nicht als Screening-Tool, sondern Verlaufskontrolle bekannter Tumoren oder bei Hochrisiko (Hepatitis B/C-Träger, Leberzirrhose) zur Überwachung. Quelle: Krebsliga Schweiz.
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Empfehlungen
BAG-Empfehlungen Krebs-Screening
Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt zusammen mit der Krebsliga Schweiz die offiziellen Screening-Empfehlungen heraus. Sie sind tendenziell konservativer als US-Vorgaben und bauen auf evidenz-basierten Programmen auf.
Kerne: Mammographie 50–74 (kantonale Programme), Koloskopie/FIT ab 50, Pap/HPV ab 21 J., dermatologischer Check jährlich. PSA: keine Routine, individuelle Beratung. Quelle: BAG, Krebsliga Schweiz.
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Genetik
BRCA-Screening
Genetische Testung auf BRCA1/2-Mutationen — empfohlen bei familiärer Häufung von Brust-, Eierstock-, Prostata- oder Pankreaskarzinom. Erhöht das Brustkrebs-Risiko um das 5- bis 10-fache.
Praxis: Test über Humangenetiker an Universitätsspitälern (USZ, Inselspital, CHUV). Bei BRCA-positiv: engmaschiges Screening (Mammographie + MRT ab 30) oder prophylaktische Massnahmen. Krankenkasse zahlt bei klarer Indikation. Quelle: NICE Guidelines, SAKK.
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Tumormarker
CA 19-9
Tumormarker für Pankreas- und Gallenwegskarzinome. Wird zur Diagnose-Bestätigung und Verlaufskontrolle bekannter Tumoren verwendet. Hohe Werte (> 100 U/ml) verdächtig auf maligne Erkrankung.
Wichtig: Nicht als Screening — zu viele falsch-positive Befunde. Auch bei Gallenstein-Erkrankungen oder Pankreatitis erhöht. Spezifität ist begrenzt, daher immer im klinischen Kontext zu interpretieren.
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Tumormarker
CEA (Carcinoembryonales Antigen)
Klassischer Tumormarker, vor allem für Darmkrebs (Kolonkarzinom). Wird zur Verlaufskontrolle nach Operation eingesetzt, nicht als Screening — Sensitivität und Spezifität für die Früherkennung zu niedrig.
Werte: Auch bei Rauchern, chronischen Entzündungen und einigen anderen Tumoren erhöht. Nach kurativer OP sollte CEA innerhalb 6 Wochen normalisiert sein. Ein Anstieg im Follow-up ist Hinweis auf Rezidiv.
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Liquid Biopsy
cfDNA (Cell-Free DNA)
Zellfreie DNA, die von absterbenden Zellen ins Blut gelangt. Gesunde haben kleine Mengen, Tumorpatienten häufig erhöhte Werte mit charakteristischen Mustern. Basis für moderne Liquid Biopsy und MCED-Tests.
Anwendung: Galleri-Test (Klein et al., Lancet Oncol 2023) analysiert Methylierungs-Muster der cfDNA, um ~50 Krebsarten zu erkennen. Sensitivität für frühe Stadien noch begrenzt, aber für späteres Stadium gut. Neue Forschung läuft intensiv.
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Liquid Biopsy
ctDNA (Circulating Tumor DNA)
Tumor-DNA-Fragmente im Blut — ein Subset der cfDNA, das eindeutig vom Tumor stammt. Trägt Tumor-typische Mutationen, die direkt detektiert werden können.
Anwendung: Therapie-Monitoring nach Diagnose (z. B. Lungenkrebs mit EGFR-Mutation), Minimal Residual Disease (MRD) nach OP, frühe Rezidiv-Detektion. Für reines Screening noch weniger etabliert als methylierungs-basierte MCED-Tests.
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Methoden
Dermatoskopie / Hautcheck
Mikroskopische Begutachtung der Haut durch den Dermatologen — Standard für Hautkrebs-Früherkennung. Wichtige Risiko-Gruppen: hellhäutige Menschen, viele Sonnenbrände in Jugend, > 50 Muttermale, familiäre Belastung.
Praxis: Jährlicher Check ab 35, bei Risiko schon früher. Verdächtige Läsionen werden mit Dermatoskop vergrössert beurteilt. Bei Auffälligkeit: Exzision und Histologie. KI-gestützte Apps (z. B. SkinVision) als Vor-Filter — Dermatologe bleibt Goldstandard. Krankenkasse zahlt bei Verdacht.
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Darmkrebs
FIT / FOBT (Stuhltest auf Blut)
Immunologischer Stuhltest auf okkultes Blut — moderner Ersatz für FOBT. Empfohlen alle 2 Jahre für Personen 50–69, die keine Koloskopie wollen. Sensitivität ~70 % für Darmkrebs.
Praxis: Kann zuhause durchgeführt werden, Probe wird ins Labor gesendet. Bei positivem FIT: Koloskopie nötig. Etabliert in mehreren Kantonen als Screening-Programm. Quelle: Krebsliga Schweiz, EU-Empfehlungen.
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MCED
Galleri-Test
Erster kommerziell verfügbarer MCED-Bluttest (USA, GRAIL). Analysiert Methylierungs-Muster der cfDNA und erkennt Signale von ~50 Krebsarten — auch von Tumoren, für die es kein Standard-Screening gibt (Pankreas, Ovar, Leber).
Studienlage: PATHFINDER- und SYMPLIFY-Studien zeigen Sensitivität ~52 % über alle Stadien (höher in fortgeschrittenen Stadien). UK NHS-Studie läuft (NHS-Galleri, 140.000 Teilnehmer). In CH noch nicht etabliert. Kosten: USD 949. Quelle: Klein et al. (Lancet Oncol 2023).
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Gebärmutterhals
HPV-Test
Test auf humane Papillomviren — die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs. High-Risk-HPV-Typen (16, 18 u. a.) machen 99 % der Cervix-Karzinome aus.
Praxis: In CH zunehmend statt klassischem Pap eingesetzt — HPV-Test alle 3–5 Jahre ab 21 (oder kombiniert mit Pap). Bei positivem HPV: weitere Abklärung durch Pap oder Kolposkopie. Plus: HPV-Impfung (Gardasil 9) für Mädchen UND Jungen ab 11–14 Jahren empfohlen. Quelle: BAG-Empfehlungen.
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Darmkrebs
Koloskopie
Goldstandard für Darmkrebs-Screening — endoskopische Spiegelung des kompletten Dickdarms. Erlaubt direkte Entfernung von Polypen (Adenomen) und damit echte Krebs-Prävention.
Praxis: Ab 50 alle 10 Jahre, bei familiärer Belastung schon ab 40. Senkt Darmkrebs-Mortalität um bis zu 68 %. Vorbereitung mit Abführmittel intensiv, aber notwendig. Kosten ~CHF 1.500 — krankenkassenpflichtig im Screening-Alter ohne Selbstbehalt oberhalb Franchise.
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Organisationen
Krebsliga Schweiz
Wichtigste NGO für Krebs-Prävention, -Information und -Forschung in der Schweiz. Gibt jährlich Empfehlungen für Screening, Lifestyle-Prävention und Patienten-Unterstützung heraus. Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige.
Praxis: Krebstelefon 0800 11 88 11, kostenfrei. Regionale Krebsligen in allen Kantonen. Spende-finanziert + öffentliche Mittel. Quelle: krebsliga.ch.
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Statistik
Lead-Time-Bias
Verzerrung in Screening-Studien: Ein durch Screening früher entdeckter Krebs gibt scheinbar längere Überlebenszeit — auch wenn das tatsächliche Sterbedatum identisch ist. Wichtiges Konzept beim kritischen Lesen von Screening-Statistiken.
Bedeutung: Daher zählt in seriösen Studien nicht das „5-Jahres-Überleben", sondern die krebsspezifische Mortalität der gescreenten vs. ungescreenten Population (RCTs). Mammographie und Koloskopie reduzieren die Mortalität echt — andere Screenings sind weniger eindeutig.
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MCED
Liquid Biopsy
Sammelbegriff für blutbasierte Tumordiagnostik — umfasst cfDNA, ctDNA, zirkulierende Tumorzellen (CTC) und Exosomen. Vision: ein Bluttest statt invasiver Biopsie.
Heute: Klinisch etabliert für Therapie-Monitoring (z. B. EGFR-Mutationen bei Lungenkrebs), MRD nach OP. Für reines Screening (MCED): vielversprechend, aber noch nicht Routinestandard. Anbieter: GRAIL Galleri, Exact Sciences (Cologuard).
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Lungenkrebs
LDCT (Low-Dose-CT für Lunge)
Niedrigdosis-CT zur Lungenkrebs-Früherkennung bei Hochrisiko-Gruppen (langjährige Raucher, Asbest-Exposition). Senkt Lungenkrebs-Mortalität um ~20 % (NLST-Studie, NEJM 2011).
Empfehlung: USA (USPSTF): jährlich bei 50–80 J. mit ≥ 20 Pack-Years. CH: kein flächendeckendes Programm, aber individuell bei klarer Indikation möglich. Strahlung ca. 1–2 mSv pro Scan.
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Liquid Biopsy
MCED (Multi-Cancer Early Detection)
Bluttests, die mehrere Krebsarten gleichzeitig erkennen sollen. Analysieren cfDNA-Muster (Methylierung, Fragmentierung). Hoffnung: Screening für Krebs-Arten ohne Standard-Screening (Pankreas, Ovar, Leber).
Vertreter: Galleri (GRAIL), CancerSEEK (Johns Hopkins), Earli, Singlera. Sensitivität für späte Stadien gut, für frühe Stadien noch begrenzt. Studien wie NHS-Galleri werten den klinischen Nutzen aus.
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Brustkrebs
Mammographie
Röntgen-Untersuchung der Brust — Goldstandard für Brustkrebs-Screening. Senkt Brustkrebs-Mortalität um ~20 % bei Frauen 50–74. Empfohlen alle 2 Jahre in den meisten Schweizer Kantonen (organisierte Programme).
Bei dichtem Brustgewebe oder hohem Risiko (BRCA, familiär): Ergänzung mit MRT. Mammographie hat falsch-positive Befunde (~10 %) und Overdiagnosis-Risiko (~10–20 %), aber lebensrettend.
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Methoden
MRT-Ganzkörper
Ganzkörper-Magnetresonanztomographie ohne Strahlung, mit hoher Weichgewebs-Auflösung. Bei BRCA-Mutationen wertvoll für Brust-Screening, bei Hochrisiko-Patienten ergänzend zum Standard-Screening.
Premium-Vorsorge: Kommerzielle Ganzkörper-MRT-Anbieter (Hirslanden, Aspuria, Hubble) — CHF 1.500–3.500. Studienlage zu Mortalitäts-Senkung in gesunder Bevölkerung ist begrenzt — viele Befunde sind klinisch irrelevant („Incidentalome").
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Statistik
Overdiagnosis
Erkennen einer Krebs-Erkrankung, die ohne Screening lebenslang nie symptomatisch geworden wäre. Verursacht unnötige Behandlungen mit echten Nebenwirkungen — z. B. Prostata-OP bei langsam wachsenden Tumoren.
Geschätzter Anteil: Mammographie ~10–20 %, PSA-Screening ~30–50 %. Hauptgrund für die zurückhaltenden Empfehlungen für PSA und Schilddrüsen-Sonographie. Diskussion mit Arzt vor jedem Screening wichtig.
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Gebärmutterhals
Pap-Abstrich
Zytologische Untersuchung von Gebärmutterhals-Zellen — entwickelt von George Papanicolaou (Pap), Mitte 20. Jh. Hat Gebärmutterhalskrebs-Mortalität in CH dramatisch reduziert.
Praxis: Klassisch alle 3 Jahre für Frauen 21–65. Wird zunehmend durch oder kombiniert mit HPV-Test ersetzt. Bei Auffälligkeiten: Kolposkopie zur Abklärung. Krankenkassenpflichtig.
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Prostata
PSA (Screening)
Bluttest auf prostata-spezifisches Antigen — am häufigsten verwendete Vorsorge bei Männern, aber kontrovers. Senkt zwar die Mortalität moderat, führt aber häufig zu Overdiagnosis bei klinisch irrelevanten Tumoren.
CH-Empfehlung (BAG, SGSU): Kein systematisches Screening, sondern individuelle Beratung ab 50 (familiäre Belastung schon ab 45). PSA-Verlauf wichtiger als Einzelwert. Bei Auffälligkeit: MRT der Prostata vor Biopsie.
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Tumormarker
Tumormarker
Substanzen im Blut, die mit bestimmten Tumoren in Verbindung gebracht werden (PSA, CEA, CA 19-9, CA 125, AFP, HCG u. a.). Meist zur Verlaufskontrolle bekannter Tumoren, selten als Screening.
Wichtig: Die meisten Tumormarker haben unzureichende Sensitivität/Spezifität für reine Früherkennung. Ein „Tumormarker-Panel" im Sinne von „alles checken" ist meist nicht sinnvoll — produziert viele falsch-positive Befunde und Verunsicherung.
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Empfehlungen
USPSTF (U.S. Preventive Services Task Force)
Wichtigste evidenzbasierte Quelle für Screening-Empfehlungen in den USA. Bewertet Studien systematisch und gibt Empfehlungen mit Evidenz-Grad (A bis D). Vergleichbar mit DEGAM (Deutschland) oder BAG/Krebsliga (CH).
Beispiele: Koloskopie ab 45 (A-Empfehlung, seit 2021), Mammographie ab 40 (B-Empfehlung, seit 2024), LDCT Lunge bei Risiko 50–80 J. (B). USPSTF-Empfehlungen sind oft progressiver als BAG, aber 1:1-Übertragung problematisch (anderes Gesundheitssystem). Quelle: uspreventiveservicestaskforce.org.
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