Stress-Achse
Adrenale Insuffizienz
Unterfunktion der Nebennieren mit zu niedriger Cortisol-Produktion. Klinisch wichtig: M. Addison (primär) und sekundäre Formen nach Langzeit-Glukokortikoid-Therapie. Symptome: extreme Müdigkeit, Gewichtsverlust, niedriger Blutdruck, Salzhunger, Hyperpigmentation.
Diagnostik: Morgen-Cortisol < 140 nmol/L mit ACTH-Stimulationstest abklären (Endocrine Society Guidelines). „Adrenal Fatigue" als Begriff ist nicht wissenschaftlich anerkannt — bei Cortisol-Auffälligkeiten zur Endokrinologie. CH-Spezialisten: USZ, Inselspital, CHUV.
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Männerhormone
Andropause
Allmählicher Testosteron-Rückgang bei Männern ab dem 30. Lebensjahr (~1 % pro Jahr). Anders als Menopause kein abruptes Ereignis. Symptome: Energie-Verlust, niedrige Libido, Muskelabbau, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmung.
Diagnostik: Morgens nüchtern Testosteron (gesamt + frei) + SHBG + LH messen. Bei symptomatisch erniedrigten Werten Endokrinologen aufsuchen. Therapie: TRT (Testosteron-Substitution) nur bei klar nachgewiesenem Hypogonadismus (Endocrine Society Guidelines, Bhasin et al. 2018).
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Schilddrüse
Anti-TPO (Thyreoperoxidase-Antikörper)
Wichtigster Marker für Autoimmun-Schilddrüsenerkrankungen, v. a. Hashimoto-Thyreoiditis. Anti-TPO > 35–60 IU/ml (je Labor) bestätigt die Diagnose bei klinischem Verdacht auf Hypothyreose.
Bedeutung: Bei Frauen mit Hashimoto-Risiko (Familienanamnese, andere Autoimmun-Erkrankungen) sinnvoll, auch wenn TSH noch normal ist. Hashimoto kann jahrelang asymptomatisch laufen, bevor TSH steigt. Frühe Diagnose ermöglicht engmaschige Verlaufskontrolle.
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Stress-Achse
CAR (Cortisol Awakening Response)
Cortisol-Anstieg in den ersten 30–45 Minuten nach dem Aufwachen. Gilt als sensitiver Stress-Biomarker — bei chronischem Stress oder Burnout ist CAR häufig abgeflacht oder erhöht (Stalder et al., Psychoneuroendocrinology 2016).
Messung: 4 Speichelproben am Tag (Aufwachen, +30 Min., Mittag, Abend). Optimal: 50–80 % Anstieg von Aufwach- zu 30-Min.-Wert. Niedrig: Burnout-Verdacht. Hoch: chronischer akuter Stress. In CH durchgeführt z. B. durch Medisyn, Aspuria, Sunday Natural-Partnerlabore.
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Stress-Achse
Cortisol-Tagesprofil
Cortisol folgt einem klaren Tagesrhythmus: Höchste Werte morgens nach Aufwachen (Spitze ~30 Min. später), kontinuierlicher Abfall bis zum Abend (Tiefpunkt). Eine Einzelmessung am Nachmittag ist diagnostisch fast wertlos.
Praxis: 4-Punkt-Speichel-Cortisol ist Standard (Aufwachen, +30 Min., 12 Uhr, 20 Uhr). Auch DUTCH-Test (Dried Urine, USA) zunehmend in CH verfügbar. Pathologisch: abgeflachte oder umgekehrte Kurve, kein morgendlicher CAR.
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Nebennieren
DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat)
Vorläufer-Hormon für Testosteron und Östrogen, produziert in den Nebennieren. Höchste Werte in den 20ern, dann kontinuierlicher Abfall — DHEA-S gilt als Anti-Aging-Marker. Bei chronischem Stress oft niedrig.
Werte: Sehr altersabhängig — 20-Jährige Männer ~10–20 µmol/L, 60-Jährige ~2–6 µmol/L. Niedrige Werte mit Müdigkeit, Libidoverlust, Stimmungstief korreliert. DHEA-Supplementation umstritten — in CH verschreibungspflichtig, ärztliche Begleitung nötig.
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Sexualhormone
Östradiol (E2)
Wichtigstes weibliches Sexualhormon — relevant für Zyklus, Knochendichte, Stimmung, Hautqualität. Auch bei Männern wichtig (5–10 % der Frauenwerte), entsteht teils aus Testosteron via Aromatase.
Messung: Bei Frauen zyklusabhängig — Tag 21 (Lutealphase) für klassische Beurteilung. In Menopause stark erniedrigt. Erhöhtes E2 bei Männern (z. B. bei Adipositas, TRT) kann Gynäkomastie und Stimmungsschwankungen verursachen. Kontextabhängige Interpretation entscheidend.
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Hypophyse
FSH (Follikel-stimulierendes Hormon)
Steuert bei Frauen die Reifung der Eibläschen, bei Männern die Spermienproduktion. Erhöhter FSH-Wert bei Frauen ab Mitte 40 zeigt nachlassende Eierstockfunktion (Peri-Menopause).
Messung: Frauen Tag 3 des Zyklus, Wert > 25 IU/L = klare Peri-Menopause. AMH (Anti-Müller-Hormon) ist sensibler für Fertilitätsplanung. Bei Männern erhöhter FSH bei eingeschränkter Spermatogenese — Hinweis auf primäre Hodenfunktionsstörung.
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Schilddrüse
fT3 / fT4 (Freies T3 und T4)
Die aktiven Schilddrüsenhormone — fT3 ist das stoffwechsel-aktive Hormon, fT4 das Speicher-Hormon. Werden gemessen, wenn TSH auffällig ist oder Symptome trotz normalem TSH bestehen.
Optimal: fT3 4,5–6,5 pmol/L (oberes Drittel des Referenz-Bereichs), fT4 13–18 pmol/L. Niedrige fT3 bei normalem TSH ist Hinweis auf „Euthyroid Sick Syndrome" oder schlechte T4→T3-Umwandlung (Selen-Mangel, chronischer Stress).
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Wachstumshormon
GH (Growth Hormone)
Wachstumshormon — entscheidend für Muskelaufbau, Fettverbrennung und Regeneration. Wird pulsatil ausgeschüttet, v. a. im Tiefschlaf. Direkte Messung im Blut ist diagnostisch wenig hilfreich, da stark schwankend.
Surrogat: IGF-1 ist der stabile Marker für GH-Achse. Reduzierte GH-Werte im Alter ab 30 sind normal („Somatopause"), kein Krankheitswert. Synthetische GH-Therapie (z. B. Genotropin) ist in CH streng verschreibungspflichtig und nur bei nachgewiesenem GH-Mangel zugelassen.
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Schilddrüse
Hashimoto-Thyreoiditis
Autoimmun-Schilddrüsenentzündung — die häufigste Ursache für Unterfunktion in der Schweiz (Frauen 7× häufiger als Männer). Diagnose: erhöhtes TSH + erhöhte Anti-TPO-Antikörper + ggf. Anti-TG.
Therapie: Levothyroxin (L-Thyrox, Eltroxin) als Hormon-Ersatz lebenslang. Zusätzlich: Selen 100–200 µg/Tag (kann TPO-Antikörper senken), Vitamin D optimieren, ggf. Glutenkarenz bei nachgewiesener Komorbidität (Zöliakie). Verlaufskontrollen alle 6–12 Monate.
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Insulin
HOMA-IR
Homeostasis Model Assessment of Insulin Resistance — berechnet aus Nüchtern-Glukose × Nüchtern-Insulin / 22,5. Sensibler Frühindikator für Insulin-Resistenz, Jahre bevor HbA1c steigt.
Optimal: < 1,5 (sehr gut), 1,5–2,5 (akzeptabel), > 2,5 = Insulin-Resistenz. Senkung durch: Krafttraining (Muskel als Glukose-Sink), Kohlenhydrat-Reduktion, Schlaf, Gewichtsabnahme. Wichtig: nüchtern messen (mind. 8 h fasten).
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Männerhormone
Hypogonadismus
Klinisch relevant niedrige Testosteron-Werte mit Symptomen (Müdigkeit, niedrige Libido, Muskelabbau, Depression). Primär: Hoden defekt (LH/FSH hoch). Sekundär: Hypophyse defekt (LH/FSH niedrig).
Diagnostik: 2× morgens nüchtern Gesamt-Testo < 12 nmol/L plus klare Symptomatik (Endocrine Society Guidelines, Bhasin et al. 2018). TRT (Testosteron-Substitution) nur bei klinisch + biochemisch bestätigter Diagnose, immer endokrinologische Begleitung.
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Wachstumshormon
IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1)
Wichtigster Marker für die Wachstumshormon-Achse. Wird in der Leber als Antwort auf GH gebildet, hat einen stabilen Blutspiegel (im Gegensatz zu GH selbst). Reguliert Muskelaufbau, Knochenwachstum und Zellteilung.
Werte: Stark altersabhängig — 20–30 J. ~250 ng/ml, 50–60 J. ~150 ng/ml. Sowohl sehr niedrige als auch sehr hohe Werte sind mit erhöhter Mortalität assoziiert („J-Kurve") — Longevity-Forschung sieht moderate IGF-1-Werte als optimal.
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Insulin
Insulin nüchtern
Misst die Insulin-Konzentration nach mindestens 8 Stunden Fasten. Erhöhte Werte zeigen Insulin-Resistenz Jahre, bevor HbA1c oder Glukose pathologisch werden — der wichtigste Frühindikator für metabolische Probleme.
Optimal: < 8 µU/ml (≈ < 55 pmol/L). Werte > 12 µU/ml: Insulin-Resistenz wahrscheinlich, weiter mit HOMA-IR. Senkbar durch: Gewichtsabnahme, Krafttraining, Kohlenhydrat-Reduktion, intermittierendes Fasten.
Verwandte Begriffe
Hypophyse
LH (Luteinisierendes Hormon)
Steuert bei Männern die Testosteron-Produktion in den Hoden, bei Frauen den Eisprung. Bei niedrigem Testo + erhöhtem LH: primärer Hypogonadismus (Hoden-Problem). Bei niedrigem Testo + niedrigem LH: sekundärer Hypogonadismus (Hypophyse).
Bei Frauen: Mittzyklus-Peak triggert Ovulation (LH-Spitze ~24 h vor Eisprung). Wird in Ovulations-Tests gemessen. Bei Peri-/Menopause kontinuierlich erhöht.
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Schlaf
Melatonin
„Schlafhormon" — wird in der Zirbeldrüse aus Serotonin produziert, ausgelöst durch Dunkelheit. Steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Spitzenwerte mitten in der Nacht, Tiefwerte mittags.
Messung: Speichel-Test um 23 Uhr und 3 Uhr nachts. Niedrige Werte: schlechte Lichtexposition (Bildschirme abends), Schichtarbeit, Jetlag. Supplementation: 0,3–3 mg ca. 30 Min. vor dem Schlafengehen (höhere Dosen oft kontraproduktiv). In CH rezeptfrei bis 5 mg.
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Frauenhormone
Menopause
12 Monate ohne Menstruation, durchschnittlich mit 51 Jahren. Peri-Menopause kann 4–10 Jahre vorher beginnen — schwankende Hormone, Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen.
Diagnostik: FSH > 25 IU/L + Östradiol < 50 pmol/L bestätigen Menopause. AMH zur Fertilitäts-Prognose. Hormonersatz-Therapie (HRT) bei starken Beschwerden mit endokrinologischer/gynäkologischer Begleitung — Risiko-Nutzen heute differenzierter beurteilt (Hodis & Mack, J Endocrinol 2019).
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Sexualhormone
Progesteron
„Gelbkörper-Hormon" — wichtigstes Hormon in der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase). Bereitet Gebärmutter auf Schwangerschaft vor, wirkt zudem schlaffördernd und beruhigend (über GABA-Rezeptoren).
Messung: Tag 21 des Zyklus, optimal > 30 nmol/L als Zeichen für stattgefundenen Eisprung. Progesteron-Mangel mit PMS, Schlafstörungen, frühem Aborten assoziiert. In Peri-Menopause oft als erstes erniedrigt — bioidentisches Progesteron (z. B. Utrogestan) ärztlich verordnet.
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Hypophyse
Prolaktin
Vorrangig für Milchproduktion verantwortlich, aber auch in stressbedingten Hormonstörungen wichtig. Erhöhtes Prolaktin senkt Testosteron bei Männern und stört den Zyklus bei Frauen.
Ursachen für Erhöhung: Stress, Schlafmangel, Schilddrüsen-Unterfunktion, Medikamente (Antipsychotika, manche Antidepressiva), seltener Hypophysen-Adenom. Bei Werten > 1.000 mU/L Bildgebung der Hypophyse via MRT diskutieren.
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Transport
SHBG (Sex Hormone Binding Globulin)
Trägerprotein, das Testosteron und Östradiol im Blut bindet. Nur das nicht-gebundene („freie") Hormon ist biologisch aktiv. Daher: Testo-Werte ohne SHBG kaum interpretierbar.
Werte: Beeinflusst durch Insulin, Schilddrüsenhormone, Übergewicht (senkt SHBG), Östrogene und Lebererkrankungen. Niedriges SHBG mit Insulin-Resistenz assoziiert. Bei der Beurteilung von Testosteron immer SHBG mitbestimmen — viele Labore berechnen freies Testo automatisch (Vermeulen-Formel).
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Methodik
Speichelhormontest
Misst nur die freie, biologisch aktive Hormon-Fraktion. Besonders nützlich für Cortisol-Tagesprofile und Melatonin, weil mehrere Probennahmen über den Tag/die Nacht stressfrei zuhause möglich sind.
Praxis: Probe in steriler Salivette geben — 30 Min. vor Probe nichts essen/trinken/Zähne putzen. Versand temperaturgeschützt. In CH durchgeführt z. B. Medisyn (Basel/Zürich), Aspuria, sowie Versand-Labore mit deutscher Partnerschaft. Kosten: CHF 150–350 für 4-Punkt-Profile.
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Sexualhormone
Testosteron (gesamt + frei)
Wichtigstes männliches Sexualhormon — auch bei Frauen (5–10 % der Männerwerte). Steuert: Muskelmasse, Knochendichte, Libido, Stimmung, Energie. Bei Männern ab 30 ca. 1 % jährlicher Rückgang.
Optimal Männer: Gesamt-Testo 15–30 nmol/L, freies Testo 250–600 pmol/L. Pflicht: morgens 8–10 Uhr nüchtern messen (Tagesschwankung bis 40 %). Bei symptomatischen Werten < 12 nmol/L Endokrinologen einbinden. SHBG zur Beurteilung des freien Anteils immer mitmessen.
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Schilddrüse
TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
Wichtigster Screening-Marker für die Schilddrüsenfunktion. Wird aus der Hypophyse ausgeschüttet und stimuliert die Schilddrüse zur T3/T4-Produktion. Hohes TSH = Unterfunktion, niedriges TSH = Überfunktion (jeweils funktioneller Ansatz).
Referenz: 0,3–4,2 mIU/L (laborabhängig). Longevity-optimal: 1–2 mIU/L. Bei Auffälligkeit zusätzlich fT3, fT4, Anti-TPO und Anti-TG. Stress, schlechter Schlaf, intensives Training und Crash-Diäten können TSH temporär verändern.
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Stress-Achse
4-Punkt-Cortisol (Speichel)
Standardverfahren für die Beurteilung des Cortisol-Tagesrhythmus. Vier Speichelproben: direkt nach Aufwachen, +30 Minuten (CAR), 12 Uhr und 20 Uhr. Liefert Information über Aufwachreaktion, Tagesdynamik und Abend-Tiefpunkt.
Interpretation: Klassische Stress-Muster — flacher CAR + erhöhter Abendwert (chronischer Stress), erniedrigte Werte tagsüber (Burnout-Spätstadium), umgekehrte Kurve (Schichtarbeit, schwere Insomnie). Wichtig: 3 Tage Mehrfachmessung erhöht Aussagekraft (Stalder et al. 2016).
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